Schlagwort: Zero Waste

Ungeschönt plastikfrei ohne Unverpackt- Laden: Familienalltag

Im Netz findet man recht häufig die nahezu obligatorischen Gläser mit Müll. Was man hingegen oft nicht findet, sind Infos zum Hintergrund der Verursacher. Die Möglichkeiten des DINK-Pärchens in der Großstadt unterscheiden sich einfach zu sehr vom alleinstehenden Studenten oder der Familie auf dem Land. Das auf die eigene Situation zu übertragen, fällt schwer.

Unser familiärer Hintergrund

Deswegen habe ich die Fastenzeit (40 Tage) genutzt und unseren Plastikmüll gesammelt. Einfach das, was anfällt. Ohne zusätzlichen Aufwand. Das Ergebnis der Routine, die sich in den letzten Jahren etabliert hat.

Die Überschrift sagt es schon: Den Alltag bestreiten wir ohne Unverpackt-Laden. Wir sind drei Personen. Sprich zwei Erwachsene und ein Kind von einem Jahr mit gutem Appetit, Mischköstler, wie man sagt. Wohnhaft an Rand einer 55k-Kleinstadt mit einem Auto, drei Fahrrädern und einem ÖPNV-Ticket. Außerdem lebt eine Katze bei uns, wenn sie nicht gerade ein anderes Fleckchen in Beschlag nimmt.

Wocheneinkauf auf dem Markt und im Städtle

Da beide Elternteile berufstätig sind, erfolgt der wöchentliche Einkauf am Samstagmorgen. Dazu wird er 5km entfernte Wochenmarkt angefahren. Im Regelfall fahren wir mit dem Rad und allerlei Cargolösung, dem Bus und Hackenporsche bei Sauwetter und bei echten Großeinkäufen mit dem Auto.

Lastenanhänger Fahrrad

Der Markt bietet neben offenem Gemüse, Obst und ungeknackten Nüssen auch Käse, Milchprodukte im Pfandglas und Brot. Der örtliche Metzger hat kein Problem damit, Wurst und Fleisch in mitgebrachte Dosen zu füllen. Selbes gilt für einen der beiden Antipastistände. Den Rest beziehen wir im (Bio-)Supermarkt. Das sind vornehmlich Gläser mit Mais, Sojasauce, Essig in der Pfandflasche und so weiter. Kurz: Konserven. Aber auch Lebensmittel, die es auf dem Wochenmarkt nicht gibt, holen wir dort. Eine Ausnahme bilden Waschmittel und Trockenvorräte, doch dazu gleich. Haarseifen, festes Shampoo und festen Conditioner beziehen wir in Karton oder unverpackt aus dem Reformhaus oder Weltladen. Der Wocheneinkauf nimmt mit kleiner Snackpause und Hin- und Rückweg rund 90 Minuten in Anspruch. Unter der Woche gibt es Brötchen und Brot vom Bäcker im Stadtteil: Trockenes in den Beutel, Klebriges in eine Keksdose.

Vorratshaltung in Großmengen

Waschmittel und Nudeln kaufen wir in Großpackungen online. Beides von Produzenten aus dem Umkreis von maximal 100 km. Im Keller stehen dafür 30l große Blecheimer, die haltbare Vorräte beherbergen. Je 25kg Waschmittel oder 10kg Penne. Gerade für Familien, die etwas Raum für eine Lagerhaltung erübrigen können, bietet sich das an. Der Chefeinkäufer der Familie entlastet damit obendrein sein Hirn.

30l Hobbock für Lebensmittel 10kg Spaghetti

Und wer sich gerade fragt, wie es mit der Umweltbilanz von Onlineshopping aussieht: https://www.alumniportal-deutschland.org/global-goals/sdg-12-konsum/online-shopping-einkaufen/

Selbermachen, wo es Freunde bereitet…

… und der Kosten-Nutzen stimmt, ist ein weiterer Baustein. So werden in an einem Wochenende im Jahr Kidneybohnen und Kichererbsen eingekocht. Die kleine Plastiktüte ist dann zu verschmerzen.

Eingekochtes

Zitonenschalenaroma und Vanillezucker sind weitere Beispiele für Selbstläufer mit Minimalaufwand. Ebenso minimalistisch ist der Putzschrank: Zitronensäure für Kalkflecken und Soda für allen Schmodder.

Einmal in Jahr wird der Seifentopf aus dem Keller geholt. Die Seife reicht dann locker das Jahr über und kann bei Bedarf auch eingefroren werden, wenn sie ranzig zu werden droht.

Einweg durch Mehrweg ersetzen

Neben Lebensmittelverpackungen holt man sich mit klassischen Wegwerfartikeln Unmengen an Müll und Kunststoff ins Haus. Schafft man es, diese durch ihre wiederverwendbaren Verwandten zu ersetzen, schrumpft der Müllberg wie von selbst. Klar, das hört sich zunächst nach Mehraufwand oder vielleicht auch Ekelalarm an. Auf den zweiten, nüchternen Blick erkennen wir blind übernommene Muster. Hinterfragt haben wir sie bisher nur nie.

Durchhalten und Durchhänger

Beim Müllsparen verliert man sich schnell im Kleinklein. Das macht keinen Spaß und wirklich nützen tut es obendrein auch nicht. Waschmittel lässt sich beispielsweise prima selbst herstellen, aber mit einem Stoffwindelkind ist der Waschmitteldurchsatz einfach zu hoch. Wir greifen uns deswegen die Big-Points heraus und solche, die uns Freude machen. Die Grenzen definiert jeder seinen Umständen gemäß. Oder: Sein Schlachtfeld wählt jeder selbst. Hier gibt es immer noch Medikamente, Sonnencreme und Zahnpasta aus Tube. Daran wird sich auch nichts ändern. Natürlich spricht nichts dagegen, sich immer wieder eine Herausforderung zu suchen.

40 Tage Kunststoffmüll von 3 Personen und 1 Katze

Kichererbsen einkochen: Anleitung, Zero Waste, CO2 und Kohle

Kicherbsen weinwecken

Wie schon im Bohnen-Beitrag angekündigt, habe ich mich ans Einwecken herangewagt. Mit folgenden Ergebnissen:

Bilanz von 1kg getrockneten Kichererbsen:

  • 12 Gläser à 200g
  • 6g Plastikmüll
  • 6€ Kosten
  • 2,5kWh Strom
  • (1,3kg CO2)

1kg Kichererbsen zu konservieren verbraucht ca. 2,5kWh Strom

Dieser Wert ist abhängig von den verwendeten Geräten, also deren Alter und Energieklasse. In diesem Fall sowohl bei Herd als auch Dampfgarer A+. Wichtiger sind aber die angegebenen Verbräuche. Ein Strommessgerät habe ich nicht angehängt und musste mich auf die Angaben des Herstellers verlassen:

Kochen – Platte mit 1,8kW wurde nicht ganz auf halber Stärke betrieben: 0,9kW x 1h = 0,9kWh
Gläser sterilisieren – 0,69kWh x 0,43h = 0,2967kWh
Einwecken – 0,69kWh x 2h = 1,38kWh
Summe – 2,5767kWh

Ihr seht schon: Da sind einige Variablen drin, deswegen habe ich immer aufgerundet bzw. mit dem höchsten angegeben Wert gerechnet. Bei den Waiblinger Stadtwerken kostet das im Ökotarif ca. 75ct.

1kg Kichererbsen haltbar zu machen verursacht ca. 1,3 kg CO2

Legt man die Hochrechung des Umweltbundesamtes für 2015 zugrunde, so verursacht eine 1kWh aus dem deutschen Strommix 535g CO2-Äquivalente. Bezieht man echten Ökostrom, darf man seine Hände aber in Klimagasunschuld waschen.

Anleitung: Kichererbsen richtig einkochen

Material:

  • 1kg getrocknete Kichererbsen (5,50€)
  • 12 TwistOff-Gläser (hier: Bonne Maman oder „Originalgläser“)

Herstellung:

  1. Kichererbsen über Nacht bzw. 12 Stunden in Wasser einweichen. Die Hülsenfrüchte verdoppeln dabei ihr Volumen. Also das Wasser großzügig bemessen. Das Einweichwasser anschließend wegschütten.
  2. Für ca. 1 Stunde garen. Pro Liter Wasser kann man 5g Salz zugeben. Den Schaum immer wieder entfernen.
  3. Währenddessen die Gläser heiß ausspülen bzw. im Dampfgarer sterilisieren. Kontrollieren, ob Glas und Deckel einwandfrei sind.
  4. Kichererbsen einfüllen und mit Kochwasser aufgießen. Wer zittrige Hände hat, verwendet einen Trichter. Wichtig ist, dass der Rand des Glases sauber bleibt.
    Deckel aufschauben.
  5. Für 120min bei 100°C im Dampf einwecken. Die Gläser sollen sich nicht berühren.
  6. Vollständig auskühlen lassen. Währenddessen macht es immer mal wieder „klick“, wenn das Vakuum am Deckel saugt. Sollte das nicht geschehen, ist die Konserve nicht fertig.
  7. Solange die Deckel nicht wieder aufploppen, ist die Konserve in Ordnung. Ist er oben, bitte den Inhalt entsorgen.

Fazit:

Einkochen ist nicht so schwer und aufwändig, wie ich angenommen habe. Es nimmt zwar Zeit in Anspruch, aber man ist nicht durchgehend damit beschäftigt und kann das Einkochgut auch mal sich selbst überlassen. Am besten eignet es sich für ein verregnetes Wochenende.

Die Ausbeute entschädigt mich dreifach:

1. Der vermiedene Müll ist immens: 6g Plastik gegen 3,6kg Altglas. Glas kann zwar vollständig wiederverwertet werden, schluckt dafür aber jede Menge Energie. Und zumindest ich schwimme mittlerweile in Gläsern, sodass ich gar nicht mehr weiß, womit ich sie füllen soll.
2. Die Energiebilanz ist nicht bis ins Letzte auswertbar. Welchen Energiebedarf die Kichererbsenfirma im Vergleich zu mir hat, weiß ich nicht. Allerdings spart der Transport Energie. 1kg gegen 6kg merke ich auf meinem Gepäckträger nämlich ganz gewaltig! ^^
3. Zwölf Portionen heißt mindestens das nächste halbe Jahr nicht mehr daran denken zu müssen, sondern einfach ins Regal zu greifen. Top! Dabei kosten sie nur ein Viertel der Glaskonserven, natürlich ohne Arbeitszeit!

Wurst und Fleisch unverpackt in Waiblingen

Wurst & Fleisch unverpackt in Waiblingen

Manche Hindernisse existieren nur im Kopf

Eine Baustelle, die sich aus beim Trashtalk im Januar ergeben hatte, waren die dünnen Plastikfolien von Wurst und Fleisch. Als Konsequenz wollte ich auf Wurst verzichten und verpackungslose Quellen finden. Die bisherigen Versuche, Wurst und Fleisch unverpackt in Waiblingen zu finden, hatten sich seinerzeit auf einen kläglich gescheiterten Versuch bei real.- und einen Marktstand auf unserem Stadtteilmärktchen beschränkt. Bei letzterem ging es zwar ohne Verpackung, dafür war es geschmacklich nicht überzeugend. Weiterlesen

Müllvermeidung verschenken

Zero Waste Geschenkideen

Große Einschnitte im Leben machen uns bereit für Veränderungen. Dabei ist es ganz egal, ob dieses Ereignis ein schönes oder trauriges war. Nicht umsonst kremplen Freunde bei der Geburt ihres ersten Kindes ihr Leben so gewaltig um, dass wir uns nur staunend die Augen reiben oder der Kollege verschenkt nach seiner Scheidung sein ganzes Hab und Gut und geht erstmal auf Weltreise –  per pedes! Weiterlesen