Norokka – Regenschutz für Kinderfahrradsitze

Norokka Regenschutz

Am liebsten bin ich schnell mit dem Rad unterwegs. Keine Zeit verlieren, immer leichtes Gepäck. Doch dann kam ein Bremser in mein Leben und aus meinem Stadtrenner wurde ein Lasten(renn)rad mit Kindersitz. Immer noch ziemlich schnell, aber Shietwetter und Kindersitz vertragen sich nicht so ganz. Zumindest meine Tochter tut ab einer gewissen Niederschlagsmenge und Temperatur ihren Unmut lautstark kund. Um Abhilfe zu schaffen, hatte ich in den letzten zwei Jahren sämtliche Varianten durchexerziert: Regenkleidung, Poncho, Theromabdeckung, DIY-Lösung und nicht zuletzt den Kinderanhänger. Letzterer ist für die Sozia am gemütlichsten, aber mit schnell oder wendig war dann eben Essig.

Preisgekrönter Regenschutz aus Japan

Norokka auf Riese und Müller Multicharger

Du kannst dir also vorstellen, wie sehr ich aus dem Häuschen war, als es mir Mitte Juli Katarina und den Norokka-Regenschutz* in die Timeline spülte. Nicht weniger als ultramobil dank Kindersitz und trotzdem kuschelig eingepackt zu sein, versprach die Sitzabdeckung und damit die Lösung aller Probleme. Also schrieb ich Katarina an, ob sie mir ein Raincover für einen Testbericht schickt.

Das Regencover kombiniert die Flexibilität des Kindersitzes mit der Behaglichkeit des Anhängers.

Das 700g schwere Norokka kommt in einer schlichten braunen Papiertüte und ist in einem handballgroßen Zugbeutel verstaut. Der Regenschutz nimmt also super wenig Platz in Anspruch. Mit einem Karabiner lässt sich der Beutel leicht am Kindersitz befestigen und ist so immer an Bord, wenn sich Regen ankündigt. So verbraucht man keinen Platz in den Satteltaschen.

Auf der Aufbewahrungshülle ist auch eine Faltanleitung in Piktogrammform aufgedruckt. Das Cover funktioniert nämlich ähnlich wie ein Wurfzelt. Du ahnst es schon. Der Aufbau geht kinderleicht, quasi von selbst. Vor dem ersten Gebrauch muss man jedoch auf der Rückseite des Kindersitzes einen kleinen Drehknopf anbringen. Dazu verwendet man entweder ein Klebepad oder einen Kabelbinder aus Klett. Welches Teil man braucht, schaut man vor dem Kauf auf der Webseite nach. Dort gibt es für fast jeden Kindersitz eine Anleitung. Generell ist Katarina unglaublich hilfsbereit und auf Zack, wenn es um Problemlösungen geht. Sie ist Überzeugungstäterin und das merkt man.

Unser Hamax Caress gehört in Kombination mit Norokka zu den komplizierteren Kindersitzen, aber auch hier musste ich nicht in das (ausführliche) Handbuch schauen. Das Regenverdeck ist selbsterklärend und intuitiv: Reißverschluss öffnen, die „Hosenträger“ über den Sitz hängen und auf der Rückseite schauen, wo das Loch für den Drehverschluss ist. Wer mag, zeichnet diesen Punkt an und klebt anschließend dort den Knopf auf. An die Sattelstütze kommt eine Rucksackschnalle, die das Cover stabilisiert. Fertig. Insgesamt dauert das keine Minute. Man muss das Norokka also nicht ständig durch die Gegend fahren, sondern montiert es bei Bedarf in Windeseile. Sogar die Schlafposition macht das Verdeck mit.

Den Regenschutz nach Gebrauch wieder in sein Täschchen zu bringen, ist beim ersten Mal schon eine Herausforderung. Öffne hier, falte da, knicke mit der rechten Hand an dieser Stelle… und bloß nicht loslassen! Zum Glück gibt es aber ein anschauliches Video, wenn die Piktogrammen auf der Hülle zu kryptisch scheinen. Ich halte mich nicht zu einhundert Prozent an die Faltanleitung, sondern wurstel das Teil in seinen Beutel, wodurch das Cover mir beim nächsten Mal schon einsatzbereit entgegenspringt wie ein Kistenteufel.

Stimmige Materialqualität und durchdachtes Design

Insgesamt ist das Regencover sehr durchdacht. Es erinnert  auf den ersten Blick ein wenig an das päpstliche Papa-Mobil. Trotzdem hat es nicht umsonst einen Japanischen Designpreis gewonnen. Es ist nämlich das einzige Regenverdeck, das sich so leicht montieren und mitnehmen lässt.

Der Stoff des Verdecks fühlt sich wie ein hochwertiges Kinderwagenverdeck an und riecht nach nichts (Stichwort Weichmacher). Die Innenseite ist wasserdicht beschichtet. Zwar sind die Nähte nicht verklebt, wie man es beispielsweise von Zelten kennt, aber die Reißverschlüsse sind verdeckt und an den Dachkanten leiten kleine Regenrinnen das Wasser zusätzlich ab. Bislang hat es dichtgehalten, ein Langzeittest steht natürlich noch aus. Sollten die Nähte je undicht werden, könnte man sie aber leicht mit Nahtdichter aus dem Camping- und Segelbedarf wieder fit machen. 

Das Regencover reicht bis über die Fußrasten. Solange das Kind in den Kindersitz passt, hat es also stets trockene Füße. Ein Gummizug sorgt dafür, dass nichts flattert und die Beine trotz Fahrtwind trocken bleiben. Im Winter kann sich das Kind sogar mit einer normalen Decke zudecken, ohne dass die nass wird. Aber auch das Opossum findet darunter ausreichend Platz. So wird es in der Kabine richtig kuschelig. Für Belüftung sorgen solange zwei Mesheinsätze.

Norokka Raincover

Nach oben ist sehr viel Platz. Meine Tochter, ein laufender Meter, hat mit Helm noch über 20cm Luft. Eher wird sie für den Sitz zu schwer, als dass sie zu groß wird. Vorne und auf den Seiten sorgen große Vinylfenster für die richtige Aussicht. Das Vorderfenster kann um gut die Hälfte geöffnet und nach unten geklappt werden. Zwei kleine Klettbänder fixieren es dabei. Diese Option ist vor allem im Sommer wichtig, wenn das Verdeck als Sonnenschutz zum Einsatz kommt. Hier zeigt sich auch die Grenze des Norokkos. Es staut sich schnell Hitze und die Beine bleiben auch im Sommer unter dem Fußteil. Damit die Konstruktion stabil bleibt, müssen nämlich alle Seitenwände geschlossen bleiben. Eventuell kann man den Fußteil raffen und zusammenbinden. Generell schafft der Fahrtwind zwar Abkühlung, Rast sollte aber unbedingt im Schatten gemacht werden.

Wenn du selbst mit Kindersitz unterwegs bist, weißt du, dass alles mit dem Fahrradständer steht und fällt. Ich denke da nur an meinen Renner, der unter Volllast bedrohlich um den Ständer zirkelte… Oberstes Ziel war immer, das Kind möglichst schnell in den Sitz zu bugsieren und die Fuhre in Bewegung zu setzen. Mit dem Cover wird das natürlich nochmal erschwert und so verwundert es nicht, dass das Norokko auf stabilen Rädern die beste Figur macht. Dort kann das Kind vielleicht sogar selbst in den Sitz klettern, denn beim Einsteigen muss man das Verdeck halten, da es durch den geöffneten Reißverschluss in sich zusammensackt. Ich muss zugeben, das fand ich am Anfang extrem nervig. Gerade wenn die Sozia übellaunig, weil müde aus dem Kindergarten kam. Dann hat man einfach zu wenige Hände, um allem gerecht zu werden.

Der Trick ist aber einfach: Kind in den Sitz und erst danach das Norokka wie einen Umhang über den Sitz schwingen. Das sind vier Handgriffe, die mir einigen Stress ersparen!

Fazit

Solange nur ein Kind transportiert werden muss, bietet Norokka eine günstige Alternative zum Anhänger und Lastenrad. Zwar sind rund 90€ ein stattlicher Preis, die Vorteile liegen aber klar auf der Hand: Ich bin auch bei schlechtem Wetter schnell und wendig unterwegs, da ich auf ein langes Gespann verzichten kann. Bei der Sozia steht das Norokka ebenfalls hoch im Kurs. Sie lässt sich gerne in ihrem „Häusle“ durch die Stadt kutschieren. Ein Wetterschutz für Kindersitze hat bisher auf dem deutschen Markt gefehlt. Das hätte ich gerne schon vor drei Jahren gehabt.

Wie Katarina die Raincover nach Europa brachte

Nach dem Test war ich neugierig auf die Person hinter den Kulissen und habe ein bisschen nachgebohrt. Katarina lebt mit ihrer Familie ohne Auto in Warschau. Auch in Polen ist das noch eine Seltenheit und sie kämpft entsprechend mit ähnlichen Problemen wie wir hier in Deutschland. Zuvor lebte und arbeitete sie vier Jahre lang in Japan, wo sie autofrei unterwegs war. Dort lernte sie auch die Regenabdeckungen für die Kindersitze kennen. Die nützlichen Teile sind in Japan weit verbreitet. (Mach’ dir mal den Spaß und gib’ bei Amazon Japan „Raincover Bicycle“ ein. Sogar Panasonic mischt mit 😉 )
Zurück in Polen musste sie leider feststellen, dass es die Sitzverdecke noch nicht nach Europa geschafft hatten und Fahrradanhänger im Stadtverkehr nicht so flexibel wie Kindersitze sind. Also orderte Katarina für sich ein Japanisches Norokka. Zum Glück, möchte man sagen, denn sie wurde so oft auf der Straße angesprochen, dass sie beschloss, die Regencover nach Polen und damit nach Europa zu bringen. Zusammen mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber in Japan importiert sie nun die praktischen Sitzabdeckungen.

Ihr Ziel: 

Ich hoffe, wir können mehr Eltern helfen, ein autofreies Leben zu versuchen, auch mit einem Fahrradsitz.

Liebe Katarina, das hoffe ich auch und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!


*UNBEZAHLTE WERBUNG – Regencover wurde mir zum Testen zur Verfügung gestellt. Der Artikel beruht auf meinen Erfahrungen.

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