Mobilitätskosten – Auto vs. Autofrei

Vergleich der Mobilitätskosten von Auto und autofrei

Heute macht sich Remstalkind nackig! Keine Angst, nur in Sachen Mobilitätskosten. Also “Hosen `ra, Vollgas!“ Im ersten Schritt nehme ich die Kosten unserer beiden Autos auseinander und anschließend die unseres neuen Mobilitätkonzepts, das sich hauptsächlich aus den beiden Ebikes, aber auch dem ÖPNV und – Hört, hört! – Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zusammensetzt.  Am Ende findest Du ein Excel-Sheet mit unseren Daten und für Deine eigenen Berechnungen.

Mobile Vorgeschichte

Mein Mann und ich sind mit Autos aufgewachsen und hatten beide zum 18. Geburtstag das erste Auto vor der Tür stehen. 2014 löste ein gebrauchtes Mercedes C-Klasse T-Modell (Bj. 2009) meinen Lupo ab, um fortan alle Baustellen-, Urlaubs- und Familienfahrten zu absolvieren. Eine grundsolide, dafür aber stinklangweilige Vernunftkarre. Immerhin mit Klimaanlage, Sitzheizung und Tempomat.

Er hingegen fuhr bis 2018 das komplette Gegenteil: Einen BMW 325er Compact (Bj. 2001), tiefergelegt, Edelstahlauspuffanlage, breite Schlappen und eine Anlage, die so viel Wind machte, dass man damit Wäsche trocknen konnte. Ich würde lügen, wenn ich sage, der Hobel hätte keinen Spaß gemacht. Was man Anfang Zwanzig eben für einen adäquaten fahrbaren Untersatz hält. Aber es ist doch erstaunlich, wie vernunftgeplagt der Mensch mit dem Alter werden kann.

Wenn ich in meinem Umfeld nach links und rechts schaue, waren wir mit den beiden Fahrzeugen ziemlich im Durchschnitt. Im Vergleich zu anderen Familien waren unsere Autos eher etwas älter und dafür auch weniger wertvoll.

Nachdem Anfang 2018 erst der 3er ging, folgte ihm im Sommer 2020 dann die C-Klasse. Beide Fahrzeuge wurden im Februar 2020 durch je ein Pedelec ersetzt: das Riese & Müller Multicharger und das Alpenchallenge AMP Sport LTD von BMC. Du darfst raten, wer welches Rad fährt. Außerdem zog mit dem Roland Carrie m.e ein Lastenanhänger fürs Grobe bei uns ein.

Wenn Dich interessiert, wie wir uns im Alltag bewegen und welche Strecken dabei anfallen, schau Dir diesen Artikel an.

Ohne Autos sparen wir fast 4000€ im Jahr


Kostenvergleich pro Monat - Auto vs. Autofrei

Als ich mich daran machte, die Kosten unserer Familienmobilität genauer zu begutachten, hatte ich noch kein Gefühl für das Ergebnis. Dass die Fahrräder im Vergleich günstiger sein würden, hatte ich zwar erwartet. Mit einer Ersparnis von 50% hatte ich jedoch nicht gerechnet.

Insgesamt lagen wir mit 650€ für beide Fahrzeuge pro Monat schon immer im unteren Kostenbereich. Dass unsere Pedelecs aber trotzdem über 300€ im Monat kosten, hatte ich nicht erwartet. Unerwartet hoch, sind die Kosten für die Wiederbeschaffung. Fairerweise muss man anmerken, dass hier zwei neue Pedelecs aus einer höheren Preisklasse gegen zwei vergleichsweise günstige Gebrauchtfahrzeuge antreten. 

Die Wartung der Räder ist rund zwei Drittel günstiger als bei den Autos. Die 77€ setzen sich hälftig aus dem einkalkulierten Akkuverschleiß und den regelmäßigen Wartungsarbeiten zusammen. Der Akku macht Pedelecs teuer. Günstiger fährt man nur mit dem normalen Fahrrad. 

Die Berechnungen beziehen wegen der Vergleichbarkeit bei beiden Mobilitätsformen auf die selbe Kilometerleistung. Selbst mit Mietwagen im Sommer und monatlichen Carsharing-Fahrten sparen wir pro Monat über 40% (67€) gegenüber den beiden KfZ. Die Stromkosten für die Pedelecs sind geradezu lächerlich gering. Im Schnitt betreiben wir die Räder mit 32ct pro 100 Kilometer. Die beiden Autos hingegen verursachen auf 100km 12,48€ Spritkosten. Damit sind sie im Betrieb 40x teurer! 

Fazit:
Pedelecs scheinen in der Anschaffung teuer. Ihre Betriebskosten sind im Vergleich mit Kraftfahrzeugen aber ein Witz. Mit 4000€ Ersparnis lassen sich einige Träume verwirklichen, ohne Einbußen bei der Lebensqualität zu haben.

Zwei Autos – 653,41€ pro Monat

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Kosten von zwei Fahrzeugen pro Jahr

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2. Wiederbeschaffung - 268,31€

Zwei versteckte Kostentreiber sind der Wertverlust über die Haltedauer (2.5) und die Inflation (2.6). Während der Wertverlust noch zähneknirschend von den meisten Autobesitzern anerkannt und mit einem „Ich fahre das Auto ja, bis es auf den Schrottplatz kommt.“ gekontert wird, was übrigens so gar nicht meiner Wahrnehmung entspricht, denkt keiner an die Inflation. Die liegt in Deutschland bei ca. 2,2% im Jahr. Das heißt, will ich mir nach x Jahren ein Fahrzeug aus einem ähnlichem Preissegment kaufen, muss ich pro Jahr in dieser Höhe Geld ansparen. Sinkt der durchschnittlich monatlich anzusparende Betrag für den Wertverlust erfreulicherweise mit zuhnemender Haltedauer, so zeigt sich die Inflation davon unbeeindruckt. Eventuelle Preissteigerungen sind in dieser Rechnung noch nicht einmal dabei!

Nachdem beide Autos mittlerweile verkauft sind, kann man rückblickend über die Haltedauer ausrechnen, was wir pro Jahr hätten ansparen müssen, um Inflation und Wertverlust auszugleichen: rund 3200€ im Jahr so ganz en passent. Krass!

3. Fahrtkosten 158,68€

Die Fahrtkosten variieren vermutlich unter den Autofahrern und Familien am meisten. Hauptsächlich sind sie von der Länge der Pendelstrecke und dem Zugang zur Nachversorgung abhängig. Bei uns beträgt der Arbeitsweg einfach 20km (C-Klasse) und 10km (BMW). Mit einer größeren Urlaubsfahrt und 2500km in der Freizeit kommen fast 16 000km Autokilometer für die Familie im Jahr zusammen. In Spritkosten ausgedrückt: ca. 1900€.

Die Kosten für Benzin sind im Grunde auch die einzigen Kosten, die ich durch mein Verhalten steuern kann. Je mehr ich das Auto bewege, desto mehr muss ich zahlen.

4. Wartung & Reparatur - 226,43€

An Steuer, TüV, Versicherung und vielleicht an die Reifen denken die meisten. Unter dem Radar fliegen Kosten wie Wartung und Reparaturrücklagen. Je nach persönlichem Geschick, können Wartungen in begrenztem Rahmen selbst übernommen werden. Dank meines persönlichen Chefmechanikers ist das der Fall und für einige Teile fällt so nur der Materialwert (4.6) an. Muss man zum Service in die Werkstatt, wird es gleich um ein Vielfaches teurer. 

Die Kosten für Reparaturen ignoriert man gerne weg. Der Abschied vom BMW wurde nämlich von eben solchen eingeleitet. In einem Jahr stellte der TüV Mängel in Höhe von über 2000€ fest. Dazu kamen erste Roststellen und so weiter. Als ich damals am Jahresende unsere Kontoauszüge grob überschlagen hatte, traf mich fast der Schlag. Sie kommen irgendwann, die Alterserscheinungen. Wohl dem, der Geld dafür beiseite gelegt hat. 

So fielen rückblickend pro Jahr 600€ Reparaturkosten (4.5) für den 3er und im Schnitt 100€ für die C-Klasse zu zusammen. Ein Vernunftauto zahlt sich da schon aus. Wobei man einräumen muss, dass die großen Klopper bei ihr noch kommen werden, zwangsläufig aufgrund des Fahrzeugalters. Damit darf sich aber der neue Besitzer herumschlagen

Autofrei – 332,22€ pro Monat 

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Kosten eines autofreien Lebens pro Jahr

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2. Wiederbeschaffung - 162,97€

„Was? 11 000€ habt ihr für zwei Fahrräder ausgegeben???“ – Stille – „Dafür kann man sich ja ein Auto kaufen!“ 
Ja, die Räder waren teuer. Zusammen mit dem Anhänger haben wir fast 12 000€ bezahlt und damit das investiert, was wir für unsere Autos noch bekommen haben. Mir ist klar, dass wir in einer sehr privilegierten Situation sind und es viele Familien in Deutschland gibt, die sich das nicht leisten können. Deswegen kann ich nur für uns sprechen und spreche mit dieser Rechnung auch explizit nur Leute an, die ähnlich aufgestellt sind wie wir. 

Trotzdem ist es komisch, dass wir für Räder aus einer höheren Preisklasse Kopfschütteln ernten, während der neue T6 California (68 000€ in der Basisvariante) in der Einfahrt als normale Familienkutsche gewertet wird. 

Leider ist es schwer, Infos über die Haltbarkeit und den Wiederverkaufswert von Pedelecs zu finden. Deswegen bin ich ganz konservativ von den sieben Jahren Nutzungsdauer aus der AfA-Tabelle ausgegangen. Danach ist der Wert des Rades bei 0€ angekommen. Zusammen mit der Inflation sollten wir für beide Räder und den Anhänger 160€ im Monat beiseite legen, sofern wir davon ausgehen, dass sie nach sieben Jahren Schrott sind. (Hoffentlich nicht!)

Ich kann aber schon heute sagen, dass dieser Betrag nicht ausreichen wird. Die Preissteigerungen im Bereich der Ebikes sind enorm. Allein vom 2020er auf das 2021er Modell wurde mein Rad in vergleichbarer Ausstattung unglaubliche 1278€ teurer! Das entspricht einer Preissteigerung von fast 23%. Inflation hin oder her; das ist extrem. Solche Entwicklungen lassen gute Pedelecs noch mehr zum Verkehrsmittel für Gut- und Besserverdiener werden.

3. Wartung & Reparatur - 77,16€

Wie bei auch schon bei den Autos spart man bares Geld, übernimmt man die Wartungen (3.3) selbst. Meine Nachbarin bezahlt zum Beispiel für zwei Wartungen im Jahr insgesamt 500€. Das finde ich ganz schön happig!

Aber auch bei unseren Fahrrädern sieht man deutliche Unterschiede. Mein Rad hat einen Gates Riemen und ist wirklich wartungsarm. Mittlerweile hat er 5000km drauf und noch kein Ende ist in Sicht. Mein Mann hingegen fährt mit Kette und hat den aggressiveren, pardon, materialintensiveren Fahrstil. Nach 3500km war die erste Kette fällig. Kassette und Ritzel waren auch schon dran. Nach einem Jahr kommen bei mir nun die Bremsscheiben. So sind seine Wartungskosten doppelt so hoch wie meine. Insgesamt belaufen sie sich jährlich auf 450€. Bei den Autos waren es dagegen 1256€. Davon entfallen allein 476€ auf TüV und KfZ-Steuer.

Reparaturkosten (3.1) an Fahrrädern sind überschaubar, solange es nicht den Akku trifft. Nun drücke ich uns die Daumen, dass sie in unserem Fall lange halten. Aber damit rechnen möchte ich nicht. Ich habe aus der Autosache gelernt! Mein Rad steht nachts zwar in der Garage, aber tagsüber bei Wind und Wetter draußen und den Akku baue ich auch bei Minustemperaturen nicht aus. So kalkuliere ich alle drei Jahre einen neuen Akku für 600€ ein. Man weiß ja nie…

Die Räder sind mit einer Deckungssumme von 11 000€ gegen Diebstahl über die Hausrat mitversichert (3.2). Die Mehrkosten pro Jahr betragen knapp 80€. Ebikeversicherungen, die gleichzeitig den Akkuverschleiß und Reparaturkosten abdecken, kommen für mich nicht in Frage. Ich weiß gar nicht, ob man solche Versicherungen überhaupt für KfZ abschließen kann. Jedenfalls stellte sich für mich beim Auto nie die Frage nach einer solchen Versicherung. Warum sollte sie es also beim Fahrrad tun?

Im Gegensatz zu KfZ, müssen Radfahrer keine zusätzliche Haftpflichtversicherung abschließen. Für (Personen-)schäden, die durch Radfahrer verursacht werden, kommt die normale Privathaftpflicht auf. 85% der Menschen haben sowieso eine. Den restlichen 15% ist wohl nicht zu helfen.  
Vom motorisierten Individualverkehr geht schlicht ein höheres Betriebsrisiko aus. Die Schäden an Mensch und Material sind bei Unfällen weit gravierender als bei Rad oder Pedelec. Das muss man eben bereit sein zu zahlen.

4. Fahrtkosten - 4,98€

Fahrtkosten sind bei den Ebikes erstmal reine Stromkosten. Da wir selbst Strom produzieren und der Strombedarf der Räder ein Klacks ist, können wir ihn im Grund autark bereitstellen. Der Nachvollziehbarkeit halber wurde aber unser Ökostrom-Tarif (26ct/kWh) bei der Berechnung zugrunde gelegt. 

Die Arbeitsstrecke macht auch mit den Pedelecs mit rund 30€ pro Jahr den größten Batzen aus. Die Autos hauen auf der selben Strecke mit 1300€ Spritkosten ordentlich rein. Ehrlicherweise müssen noch die Kosten für Carsharing, S-Bahn und Mietauto dazuaddiert werden (5.)

5. Sonstige Fahrten - 87,10€

Ganz ohne Auto geht es dann doch nicht. So ehrlich muss ich sein.

Auch wenn wir 2020 im Allgäu und 2019 am Bodensee waren, die Füße in den heißen Sand an der Côte d‘Azur graben und dabei einen eiskalten Rosé schlürfen, wäre auch mal wieder schön. Da wir zudem leidenschaftliche Camper sind und die letzten Jahre unsere Urlaube nur im Zelt verbracht haben, taugt die Kombi aus Zug und Rad nicht. Vor allem nicht mit Kindern… Für diese Zeit muss also ein Mietwagen her. Die familienfreundliche Kutsche bringt uns zwei Wochen lang für 750€ + Sprit nach Südfrankreich (5.1). Hätten wir die C-Klasse noch, fielen nur gut 300€ Benzinkosten an.

Regen macht mir auf dem Fahrrad mittlerweile nichts mehr aus. Am Arbeitsplatz ziehe ich mich sowieso um. Anders sieht es bei Schnee und Eis aus. Da fahre ich lieber mit der Bahn. Diese Schlechtwetterfahrten (5.2) beschränken sich aber auf hochgegriffene zehn Fahrten im Jahr. 84€ möchte die VVS dafür von mir.

Ein Geständnis zum Schluss: Manchmal bin ich echt faul. Zum Beispiel wenn ich nur für ganz kurze Termine ins Geschäft muss und die eineinhalb Stunden Fahrzeit nicht im Verhältnis dazu stehen. Dann leihe ich mir ein Auto. Das sind echte Bequemlichkeitsfahrten! Jede einzelne hätte ich auch mit der Bahn oder dem Rad machen können. Ich habe das Glück und kann das Fahrzeug meiner Mutter benutzen. Ich bezahle so nur das Benzin und sie ist froh, dass die Batterie mal wieder voll ist. 

In der Berechnung habe ich trotzdem die Preise von Stadtmobil angenommen. Im letzten Jahr hatte ich genau zwölf dieser geplanten Faulheitsattacken und hätte beim Carsharing mit der kleinsten Fahrzeugklassen 211,20€ bezahlt.

Da 2020 ein Ausnahmejahr war und ich nicht hoffe, dass es so bleibt, möchte ich für 2021 weitere Carsharingkosten oder Zugtickets für Familienausflüge nicht ausschließen. Ehrlich gesagt, freue ich mich darauf, mit dem Zug durchs Ländle zu tingeln.

Zeit für Deine eigene Berechnung 

Jetzt bist Du dran! Die Excel-Tabellen sollen zum Spielen mit Zahlen und verschiedenen Szenarien einladen. Du kannst entweder meine Berechnungen als Grundlage nutzen oder die dunkel unterlegten Felder der Blanko-Tabelle ganz mit Deinen Werten ausfüllen. 

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1 Kommentare

  1. Eine sehr schöne Darstellung der Kosten, deutlich ausführlicher, weil ihr hier die die gesamte Mobilität betrachtet.

    Ich hatte das Glück nicht wirklich mit einem Auto in der Familie aufzuwachsen, das weckte zwar mit dem 18 dennoch Begehrlichkeiten, aber die wurden mit Vernunftargumenten schnell gedämpft.

    Vor einiger Zeit hatte ich, als Großstadtkind, nur den Vergleich für die Fahrt ins Büro angestellt, da ging es mir zwar in erster Linie um die gesparte oder eher besser genutzte Zeit, aber auch einige Grundkosten habe ich dabei betrachtet.
    https://blog.max-fun.de/2020/06/21/alternativ-mit-dem-fahrrad-ins-buero/

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