Projekt 5-7-10: Das Fahrrad im Alltag

2015 habe ich zu meinem persönlichen Fahrradjahr auserkoren.
Ziele, die innerhalb eines Umkreises von 10km liegen, sollen mit dem Fahrrad erreicht werden. Ganz konkret sind das Fahrten zum Einkaufen, zum Sport, zu Kneipen und Restaurants und Freizeitfahrten. Kurz gesagt: Das Fahrrad wird im Alltag integriert- umfassend! Der Arbeitsweg bleibt vorerst außen vor, da er mit 20 km pro Strecke für die tägliche Fahrt zu lang ist. Da das eine Umstellung der Routinen bedeutet, soll Folgendes umgesetzt werden:

Die Distanzen erweitern sich von 5km über 7km auf 10km

Im Grunde sind 10km mit dem Fahrrad nicht viel. Sie sind im Schnitt gut in einer halben Stunde zu bewältigen. Trotzdem ist es besser, für den Anfang kleine Brötchen zu backen. Fünf Kilometer lassen sich nach Adam Riese in 15 bis 20 Minuten bewältigen. Keine Zeit also, die nicht jeder investieren könnte. Im innerstädtischen Bereich ist das Auto auch nicht schneller und meistens wollen wir schließlich in die Stadt oder wohnen sogar im Stadtbezirk.
Da ich alle Alltagsfahrten mit dem Rad erledigen möchte, reicht dieser beschränkte Radius aber nicht aus und muss über die Zeit erweitert werden. Ich finde eine Steigerung von fünf auf sieben und schließlich auf zehn Kilometer in einem Zeitraum von zwölf Wochen als gut machbar. Man gewöhnt sich somit immer einen Monat lang an die neue Distanz und integriert sie in den Alltag.
Wer möchte kann natürlich auch kleinere oder größere Strecken und andere Zeiträume wählen. Wichtig finde ich nur, dass man sich die Zeit nimmt, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Besonders Menschen mit geringer Kondition, können sich so an die ungewohnte Belastung bzw. Anstrengung, die häufiges Radfahren für Nichtsportler ohne Zweifel darstellt, herantasten.

Die Hemmschwelle so weit wie möglich senken

Der Stellplatz:

Um die Hemmschwelle soweit es geht zu reduzieren, steht das Fahrrad immer zugänglich und abfahrbereit in der Tiefgarage. Für mich ist das besonders wichtig, da sonst die Versuchung, einfach ins Auto zu steigen, überwiegt.

Das Fahrrad:

Auf ein schönes und voll funktionsfähiges Rad steigt man gerne und freut sich bei jeder Fahrt. Das heißt nicht, dass es neu und teuer gewesen sein muss. Ein sicherer und zuverlässiger Begleiter sollte es aber schon sein. Ganz wichtig: ein gutes Schloss!
Zu meiner Vorstellung eines perfekten Rad wird es noch einen Extrabeitrag geben.

Meine Sicherheit:

Jeder ist an erster Stelle selbst für seine Sicherheit verantwortlich. Ob das nun ein im Sinne der StVO zugelassenes Rad sein soll, bleibt jedem selbst überlassen. Trotzdem heißt das: Fahrradhelm ist Pflicht. Außerdem muss für Fahrten in der Dämmerung und bei Nacht eine Beleuchtung am Rad sein. „Ich sehe doch alles!“ ist kein Argument, denn die Autofahrer, die in der mobilen Nahrungskette ganz oben stehen, tun das sicherlich nicht. Für mich hat sich eine Klingel bewährt. Gerade wenn man recht schnell unterwegs ist, gibt sie den Fußgängern genug Zeit, auf die Seite zu treten und man selbst entgeht Beschimpfungen, die allein auf dem Erschrecktwerden der Leute beruhen.

Das Gepäck:

Einige Zeit lang bin ich mit dem Rucksack zum Einkaufen gefahren. Es geht schon, die Einkäufe für eine Woche  für einen  2-Personen-Haushalt darin zu verstauen, aber es ist ätzend. Deswegen machen Fahrradtaschen, die am Gepäckträger befestigt sind, Sinn.

Die Kleidung:

Zugegeben, mit dem Mini auf dem Rad ist unangemessen (Okay, ich bin 40km mit Mini und Radlerhose nach Dresden gefahren). Aber für die kurzen Alltagsfahrten ist keine besondere Kleidung von Nöten. Bequem sollte sie schon sein, aber das Risiko, sich einen Wolf zu fahren, ist eher bescheiden. Was ich allerdings für sinnvoll erachte, ist eine wind- und regendichte Jacke. Es wird mit Fahrtwind ganz schnell, ganz schön kalt. Dünne Handschuhe sind auch kein Fehler, zumindest im Frühling und auch abends.

Für mich, für die Umwelt und meinen Geldbeutel

Jeder kennt es: Die Zeit rennt und 24 Stunden reichen hinten und vorne nicht aus. Das Auto vor der Türe scheint die Lösung zu sein. Da ist es doch paradox, auf ein vielfach langsameres Verkehrsmittel umzusteigen. Für lange Wege trifft das sicher zu, für Kurzstrecken eben nicht unbedingt. Außerdem tut an dieser Stelle ein Perspektivwechsel gut. Nicht „immer schneller“ sollte die Devise sein. Stattdessen genießt man lieber die Entschleunigung im Sattel, die die zwangsläufige Langsamkeit mit sich bringt.

Fit macht das Rad auch und hier ist gar nicht mal eine Fahrt unter hoher Belastung gemeint, sondern moderates Fahren. Sogar die Wahl des Rads spielt beim Fitnessfaktor eine untergeordnete Rolle. Wer sich schon mal mit einem Hollandrad eine Steigung hochgequält hat, weiß das. Ich selbst sehe, wie oft ich auf Sport verzichten muss, weil noch dieses und jenes zu erledigen ist. Durch die Alltagsfahrten kann ich nun einen Teil dieser verlorenen Zeit kompensieren. Sagt schließlich keiner, dass ich im Schneckentempo durch die Gegend fahren soll.

Ganz konkret spart der Umstieg auf das Fahrrad auch Geld. Weniger PKW-Kilometer sind einfach gleichbedeutend mit geringeren Spritkosten und weniger Verschleiß. Die Wartung des Rads in der Fachwerkstatt kostet einen Bruchteil der Wartung eines Autos.

Die eingesparten Kilometer tun letztendlich aber nicht nur mir und meinem Geldbeutel gut, sondern auch der Umwelt. Gerade in der Nähe von Stuttgart, der Feinstaubkönigin unter den Städten, trägt man zur Senkung der Emissionen bei. Der Einwand, meine eingesparten Feinstaubpartikel und CO2-Moleküle seien nur einen Tropfen auf den heißen Stein, gilt nicht. Kleinvieh macht schließlich auch Mist und darüber hinaus gelten Punkt „Gesundheit“ und Punkt „Geld“.

Und wenn es regnet oder kalt ist?

Dann kann man immer noch auf andere Verkehrsmittel umsteigen oder doch das Auto nehmen. Es geht schließlich nicht um kategorischen Verzicht auf selbiges, sondern den bewussten und vermehrten Einsatz des Rads.

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